Über das Vorlesen von Bilderbüchern
Das Vorlesen von Bilderbüchern kann eine ausnehmend ermüdende Angelegenheit sein. Tatsächlich gibt es einen nicht weiter aufsehenerregenden Zusammenhang zwischen plötzlich einsetzendem kieferausrenkenden Gähnen und dem dreiundfünfzigsten Vorlesen desselben Buches. Doch das, was Kinder daran so fasziniert, dreiundfünfzigmal oder dreihundertfünfzigmal dassselbe Buch anzuschauen, ist hier nicht Thema, sondern vielmehr das Lesen der Erwachsenen und der professionellen Leserin in einer Situation, in die man sonst selten kommt: die Lektüre ist unfreiwillig, speist sich aus Büchern, die man nicht ausgesucht hat und nie ausgesucht hätte, und wiederholt sich x-mal. » Weiter im Text
Gustave Flaubert, Salammbô


Vom Purpurbett zum Purpurkissen
In „Salammbô“ geht es vordergründig um die Belagerung Karthagos 241 v. Chr. durch ein Söldnerheer und den Sieg des Karthager Feldherrn Hamilkar über die Barbaren. Es geht um den Söldnerführer Matho und seine wilde Liebe zu Hamilkars Tochter Salammbô, die Schwester Hannibals. Es geht um Schlachten, Foltermethoden, Götterkulte. Doch eigentlich erfüllt sich Flaubert einen Jugendtraum » Weiter im Text
Antonio Pennacchi, Canale Mussolini
Mussolini macht Epoche Oder Wieviel Literatur verkraftet die political correctness
Es war eine gute Rezensions-Idee. Ausgehend von der in Aram Mattiolis Buch „Viva Mussolini. Die Aufwertung des Faschismus im Italien Berlusconis“ wollte ich die These weiterverfolgen, dass sich in der italienischen Gegenwartsliteratur zunehmend eine Mussolini-Nostalgie breitzumachen beginnt. » Weiter im Text
Brigitte Kronauer, Favoriten. Aufsätze zur Literatur
Die Weltliteratur und ich
Brigitte Kronauer war eine bescheidene Autorin. Nun ist sie 70 geworden und scheint diese Bescheidenheit an den Nagel gehängt zu haben. Vielleicht hat sie sich auch von ihrem Verlag überreden lassen, als in allen Feuilletons seit Jahren rauf und runter gelobte Autorin endlich aus dem Vollen zu schöpfen bzw. die Vorratskammer zu lüften und zum Geburtstag verstreute Texte aus den letzten drei Jahrzehnten in einem Band zu publizieren. » Weiter im Text
Martin Jankowski, Rabet oder Das Verschwinden einer Himmelsrichtung
Dieses Buch ist etwas ganz Besonderes. Der Autor Martin Jankowski, Jahrgang 1965, gehörte zu den Hauptbeteiligten der „friedlichen Revolution“ 1989 in Leipzig. Und dennoch ist es kein Tatsachenbericht, der hier vorliegt: „Rabet“ beharrt mit Nachdruck auf seiner Literarizität. » Weiter im Text
Durs Grünbein, Das erste Jahr
Gut geölte Gedankenrädchen
Programm und Autor werden erst am 29. September preisgegeben: „Das Gespür für die alten Dramen, die antiken Figurenkonstellationen unter dem aktuellen Tagesgeschehen, scheint in meiner Generation völlig abgestorben zu sein. Die meisten entzünden sich an den Idolen der Werbung. Ihre einstweilige Stärke liegt darin, daß ihre Empfindungskraft sich auf die Mythen des Alltags konzentriert. » Weiter im Text
Thomas Mann, Der Zauberberg
Erregtes Gähnen
«Der Erwählte» und «Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull» habe ich gern gelesen. Und dabei auch mal gelacht! Aber Thomas Mann kann auch anders. Das beweist er auf den 350 Seiten, die ich vom «Zauberberg» bisher gelesen habe. » Weiter im Text
Daniel Depp, Stadt der Verlierer
Krimi trifft Hollywood
Über Namen und Titel kann man schon schmunzeln, aber Daniel Depp, 55, Halbbruder von Johnny Depp und Drehbuchautor, muss sich kein Pseudonym zulegen. Allerdings hat sein Erstling keinerlei Rückenwind nötig. Sein Roman über Macht und Intrigen in Hollywoods Filmindustrie nimmt einen von der ersten Seite an gefangen, seine Hauptfigur David Spandau, Ex-Hollywood-stuntman und Angestellter bei einem Detektivbüro, hat das Zeug zu einer weiteren charismatischen Figur in der Reihe berühmter Hard-Boiled-Ermittler. » Weiter im Text