Sonntag, 28. August 2016

Robert Byron, Der Weg nach Oxiana

Byron

Durch den Orient: zeitlos, konzentriert und amused

Was ist ein guter Reisebericht? Das beschäftigt mich seit Jahren, und bis heute kann ich es nicht sagen. Eine Orientierung war Ryszard Kapuscinski, in dessen Texten man spürt, wie sehr er sich selbst seinem Reisen aussetzt, wie er unter der Textoberfläche mit seinen Eindrücken ringt, um schließlich aus dieser Hingabe und diesem Ringen eine große Erzählung zu machen, die geprägt ist von einer in beinahe jedem Satz spürbaren Humanität. » Weiter im Text

Michail Prischwin, Der irdische Kelch

Der Roman ist ein Gedichtmichail_prischwin_der_irdische_kelch

Im Prolog beschreibt der Erzähler in einem Absatz, wie der Tschistik  - unser «ruhmreicher Moossumpf, die Mutter des großen russischen Stroms» – von der Moderne verwüstet wird, entwaldet, leergefischt, totgebombt. Dann fragt er sich: «Wird es ein Jüngstes Gericht geben?» Und weiter: «Ich hatte mir eine Rechtfertigung zurechtgelegt für dieses Gericht, nämlich dass ich die irdischen Einfassungen immer heilig gehalten habe. Und sie sind alle zertreten. Womit rechtfertige ich dann jetzt mein Dasein?» Und er gibt zu: «In schweren Augenblicken fragst du dich: Was will ich?, und antwortest: Einen anständigen Tee mit Zucker.»  » Weiter im Text

Donna Tartt, Der Distelfink 2

Der Distelfink von Donna TarttWiederholungen von Ereignislosigkeit

Alles beginnt mit einem Museumsbesuch. Eine Mutter will ihrem 13-jährigen Sohn ein Gemälde zeigen, das ihr sehr gefällt – den „Distelfink“ des Malers Carel Fabritius. Im Museum explodiert jedoch just an diesem Tag eine Bombe. Mutter und Sohn sind im Chaos nach der Explosion getrennt. Ein älterer Herr, der schwer verletzt im Sterben liegt, bringt den Jungen dazu, das Bild mit dem Distelfink zu entwenden, und gibt ihm seinen Ring. Stunden später erfährt der Junge, dass seine Mutter bei der Explosion ums Leben kam. Der Junge heisst Theo Decker, und er erzählt auf 1000 Seiten seine Lebensgeschichte. » Weiter im Text

Donna Tartt, The Goldfinch 1

Alles Drogen, Kunst, Liebe, Leinwand   ows_138203116777579.jgp

Wenn man keinerlei Erfahrung mit Drogen hat, die über Alkohol und Marihuana hinausgehen, dann ist man nach der Lektüre dieses Buches einen Schritt weiter: man wird detailliert informiert über den Konsum verschiedenster chemischer Substanzen, ihre Wirkungen und Nebenwirkungen, ihre Beschaffung und ihre Kosten, ihren Abhängigkeitsfaktor und ihre Hilfe bei der Bewältigung eines ansonsten als unbewältigbar empfundenen Alltags. » Weiter im Text

Heinz Bude, Gesellschaft der Angst

Aphorismen zur Angst GesellschaftderAngst

Der Soziologe Heinz Bude schreibt nicht mehr über Generation X oder Generation Y, unter deren Kürzel nach Bedarf alles von Computeraffinität bis politischer Gleichgültigkeit subsummiert werden kann, sondern beschreibt in elf Kapiteln unter verschiedenen Gesichtspunkten die zugrunde liegende Emotion unserer Gesellschaft: die Angst. » Weiter im Text

Marcel Beyer, Putins Briefkasten. Acht Recherchen

Bedeutungsgeraune unter Novemberhimmeln

4148 Man klappt das Buch zu und weiß: die Kritiker waren bestimmt begeistert. Vermutlich werden die «präzisen Beobachtungen» gelobt worden sein, die «dichte» Sprache, das «Abseitige» möglicherweise, dem sich Marcel Beyer mit seinen ausgedehnten Reisen nach Osten, nach Vilnius, Kiew, Novosibirsk und auf langen Gängen durch seine Heimatstadt Dresden widmet, und das, so steht zu vermuten, «ganz neue Blicke auf unsere Wirklichkeit ermöglicht». » Weiter im Text

Ein Jahr mit Virginia Woolf

Virginia_Woolf_by_George_Charles_Beresford_(1902)10. November 2013
Die Energie und die Lust, die aus diesen Tagebüchern strömt. Was ist das Geheimnis? Nur das schreiben, wozu man Lust hat. Sich nicht mit Fakten, Gegebenheiten, Chronologien aufhalten und langweilen. Und dennoch auf Innerlichkeiten gleichfalls verzichten (in der weisen Erkenntnis, dass ein paar Jahre später nichts unverständlicher und öder sein wird, als das Gefühlige des Moments). Und dennoch ein Leben evozieren, » Weiter im Text

Franz Grillparzer, Selbstbiographie

Der Klavierlehrer Johannes Mederitsch2014-09-15 16.51.05 HDR

Lange laborierte ich an einer Rezension über Grillparzers Selbstbiographie herum, 1872 posthum erschienen – eines jener Bücher, von denen man nicht wusste, dass es sie gibt, geschweige denn, dass man einmal in den Genuss kommen würde, sie zu lesen –, aber es wollte nichts Rechtes draus werden. » Weiter im Text

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