Freitag, 24. November 2017

Zadie Smith, The Autograph Man

Zadie Smith 41 Seiten
Die ersten 41 Seiten des Prologs. Nicht das Buch, das noch 378 weit weniger phantastische Seiten hat. Sondern diesen so genauen und gleichzeitig alle inneren Organe erwärmenden Blick auf Dinge und Menschen, den Zadie Smith auch in ihren anderen beiden Romanen, White Teeth (2000) und On Beauty (2005), zeigt. Hier hat es nur für 41 Seiten gereicht. Ist das genug? Es ist genug. Die ganze Story um den Autographendealer Alex-Li Tandem und seine einer creative writing class entstiegenen Freunde Adam, Rubinfire und Joseph, seine Vorstadtstrassenschönheitfreundin (wie heisst sie nur? Drei Minuten im Buch geblättert, den Namen nicht gefunden, ist das nun schon aussagekräftig genug?) und die verblühte Starschauspielerin Kitty Alexander wird das fassungsschwache Hirn dem Vergessen übergeben. Das Leben in Mountjoy, die Auktionen mit den ach so abgewrackten anderen Unikaten Lovelear und Ian Dove, seine Reise nach New York und das dortige Treffen mit seinem Kindheits- und Erwachsenentraum, der Schauspielerin Kitty Alexander, die er dann mitsamt ihrer Handtaschentöle Lucia nach London nimmt, um ihr mit dem Verkauf ihrer raren Autographen ein neues Leben zu ermöglichen – ach, wie wird das alles dem Dunkel des Vergessens anheim fallen.

Die 41 Seiten des Prologs hingegen sind jene Form des Leseglücks, das man sich ins Gedächtnis stanzen möchte und dort bewahren. Die Fähigkeit, zwölf- und dreizehnjährige pubertierende Jungs als das herrlichste von der Welt anzusehen, zum Beispiel. Das kann Zadie Smith. Aus den Wünschen und Bedürfnissen eines todkranken chinesischen Middleclass-Arztes die Wünsche und Bedürfnisse des Lesers werden zu lassen. Das kann Zadie Smith. Diesen chinesischen Arzt und seinen Sohn, Alex-Li, gemeinsam mit Adam und Rubinfire (die erst später im Buch zu enervierend originellen You-can-always-count-on-me-Freunden werden) zu einem Wrestlingmatch fahren und während dieser Autofahrt, nur während dieser einen Autofahrt und dem Warten auf das Match, Ängste entstehen zu lassen, Herausforderungen, Wünsche, Traurigkeiten, Träume, Freundschaftsbezeugungen, Charaktereigenschaften – so dass man es gar nicht nacherzählen kann, sondern lesen muss und während dieses Lesens denkt, so, ja genau so! weiter! bitte! – , das kann Zadie Smith. Und damit auf 41 Seiten zeigen, was Literatur vermag. Die restlichen 378 Seiten sind dann tatsächlich nicht so wichtig.

Zadie Smith, The Autograph Man, Penguin Books 2002

Kommentare

Eine Anmerkung to “Zadie Smith, The Autograph Man”

  1. Stein schreibt am Mittwoch, 11. Februar 2009

    Ich kapiere zwar nicht so richtig, um was es in dem Buch geht, aber Lust aufs Lesen hab ich trotzdem bekommen! Das muss an deiner schön geschriebenen Hymne liegen.

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