Montag, 11. Dezember 2017

Stieg Larsson, Verdammnis

Larsson_verdammnisTeil 2 der Trilogie
Weitere 751 Seiten gelesen und immer noch ein Fan von Stieg Larsson, auch wenn ein Kinobesucher nach einem solchen Ende sein Geld zurückverlangen würde. Es gibt nämlich kein Ende – der Roman hört einfach auf! Und zwar in dem Moment, in dem sich die beiden Hauptfiguren Lisbeth und Mikael endlich wieder begegnen. Lisbeth und Mikael kennt man schon aus dem ersten Band, «Verblendung». Lisbeth ist in Mikael verliebt, aber sie könnte das niemals zugeben. Drum endet der erste Band auch damit, dass sie den Kontakt zu ihm abbricht, als sie ihn mit seiner Dauergeliebten und Mitteilhaberin der Zeitschrift «Millennium» Arm in Arm sieht. Und drum wiegelt sie im zweiten Band jeden Versuch von ihm ab, sie zu sehen oder zu sprechen. Doch am Ende, als sie drei Kugeln im Körper stecken hat und nach einem furchtbar spannenden Showdown in einem Häuschen auf dem Land in tiefer Nacht den Tod erwartet, ist er da. Und ich wäre wirklich enttäuscht, wenn er nicht rechtzeitig gekommen ist und es im nächsten Band keine Lisbeth Salander mehr gibt.

Ich hege außerdem die große Hoffnung, dass diese Liebesgeschichte (um die es in dem Roman überhaupt nicht geht, die aber dennoch zwischen den Zeilen mitschwingt) im dritten Band ihre Fortsetzung findet. Vielleicht reden Lisbeth und Mikael dann auch mal miteinander. Irgendwann fängt es nämlich an zu nerven, dass Lisbeth immer mit dem Kopf durch die Wand muss. 

Es dauert eine ganze Weile, bis man die Zusammenhänge versteht: Es gibt eine Verbindung zwischen dem Journalisten, der über Mädchenhandel in Schweden schreibt, dem Anwalt, der als Lisbeths Vormund ihr Leben kontrolliert, dem berüchtigten Zala, den alle suchen und der eine Schlüsselfigur im Mädchenhandel ist und Lisbeth, die in ihrer Jugend traumatische Erlebnisse hatte. Dies sind aber nur die Haupthandlungsstränge. Die Millennium-Redaktion, die Sicherheitsfirma, bei der Lisbeth gearbeitet hat, und die Polizei ermitteln in dem Fall, und ein Killerkommando ist hinter Lisbeth her. Als Leser ist man bei allem hautnah dabei; der Erzähler gibt einem keinen Überblick, sondern lässt einen teilnehmen an langwierigen Sitzungen, Gedankenströmen in übermüdeten Gehirnen und Holzwegen in der Ermittlung.

Das Buch hat Längen (etwa von Seite 250 bis Seite 500), wenn die Ermittlungen nicht vorwärts gehen und alle naslang wiederholt wird, was die Boulevardpresse über die psychopathische, lesbische, gefährliche, eiskalte Lisbeth schreibt. Dafür entschädigt das spannende «Ende» für kleinere Gähnanfälle (es waren wirklich nur ganz kleine). Was aber ganz und gar nicht in Ordnung ist, sind die Ernährungsgewohnheiten der Hauptfiguren. Es kommen wieder Unmengen Kaffee und belegte Brote auf den Tisch, was mir schon in Band 1 auf den Magen geschlagen hat.

Stieg Larsson, Verdammnis, 2007 (Original: Flickan som lekte med elden, Stockholm 2006)

 

 


Kommentare

Eine Anmerkung to “Stieg Larsson, Verdammnis”

  1. Stieg Larsson: Verdammnis « LeseLustFrust schreibt am Dienstag, 7. Juli 2009

    […] Berry Seanne LiteraturBlog Buch und Haltung Mareikes Bücherwelt […]

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