Freitag, 22. September 2017

Klaus Kreiser, Atatürk. Eine Biographie

AtatürkEin blinder Fleck
Wenn man im Jahr 2009 ein Buch über Atatürk zur Hand nimmt, will man mehr als die Biographie Mustafa Kemals lesen. Denn Atatürk, 1881 als ein x-beliebiger Mustafa in Saloniki geboren, scheint der Schlüssel zum Verständnis der heutigen Türkei. Selbst dem oberflächlichen Besucher wird klar, dass Atatürk das Gesicht, der Stein, die Metapher, das Selbstverständnis, die Moral, der schulische Morgenappell des Landes ist » Weiter im Text

Esther Kinsky, Sommerfrische

cover_kinskyLiebe Silberberg,

ein Stichwort in deinem Brief hat mich heftig nicken lassen. Beim Lesen fiel mir das gar nicht auf, und beim hinterher über das Gelesene Nachdenken auch nicht, aber jetzt, wo du es sagst, weiß ich, was mich am meisten gestört hat: Ich habe kein einziges Mal gelacht beim Lesen dieses Buches. Und auch nicht geschmunzelt. Nicht mal innerlich. Und das ist irgendwie traurig. » Weiter im Text

Esther Kinsky, Sommerfrische

cover_kinsky Liebe Stein,

wenn ich ein Buch verschlinge, wenn ich meinen Zimmerwänden, Kopfkissenbezügen oder Balkonnachbarn in kleinen Juchzern mein Lesebehagen zum Ausdruck bringe, wenn ich tief einatme und denke so! ja, genau so!, wenn ich das Buch nicht aus der Hand legen will oder wenn, dann nur mit einem kleinen Streicheln, dann schließe ich sogleich vom Kleinen aufs Ganze: große Literatur! » Weiter im Text

Auf dem Sofa: Juli 2009

2. Juli: Ein paar Tage war ich drumherumgeschlichen – angesichts aus allen Nähten platzender Bücherregale, noch ein Buch? Dann kam ich wieder an dem Antiquariat vorbei, das Buch stand nicht mehr im Schaufenster, der Antiquar aber davor, er zündete sich gerade eine Zigarette an, und noch bevor er den ersten Zug tun konnte, schoss meine Frage auf ihn los: Ist die Duras nicht mehr da? Sie war es. Und natürlich kaufte ich das Buch. Und es lohnte sich sehr, sehr. » Weiter im Text

Eine Literaturkritik schreiben

Bücher dürfen auch mal in hohem Bogen aus dem Fenster fliegen
Zu einem Buch muss man etwas zu sagen haben – andernfalls schreibt man besser nichts darüber. Wenn man etwas zu sagen hat, ist das aber immer noch nicht die halbe Miete. » Weiter im Text

Massimo Lugli, L’istinto del lupo

Lupo Selbstjustiz  – leicht gemacht
„Gran Torino“ ist ein blöder Film. Er handelt von einem alten weißen Rassisten in einem amerikanischen Vorort, der, allein gelassen von seinen geldgeilen Kindern, seine Tage damit verbringt, den Garten zu mähen und seinen Oldtimer, den Gran Torino, zu putzen und dabei seine chinesische Nachbarsfamilie als „Bambusratten“ zu bezeichnen. Ein unhöflicher, aber nicht allzu gefährlicher Rassist also, und entsprechend schnell lässt er sich vom rührend lieben und entzückend frechen Geschwisterpaar besagter Nachbarsfamilie erweichen » Weiter im Text

F. Scott Fitzgerald, Zärtlich ist die Nacht

Fitzgerald_ZärtlichDie niemals Müden
Eine Blüte könnte sich nicht schöner entfalten als dieser Roman. Zuerst fast unscheinbar, wenig preisgebend, mit einer schillernden Haut, die das Innere umschließt, dann sich langsam und leise öffnend und einen leichten Duft verströmend und schließlich in seiner ganzen Farbpracht strahlend, um die Blütenblätter fallen zu lassen und zu vergehen. » Weiter im Text