Montag, 23. Oktober 2017

Noch mehr Krimis

TempleWinslowflammenbrutZwei Empfehlungen und eine Warnung
Heute sollen zwei Krimis gewürdigt und vom Lesen eines dritten abgeraten werden. «Flammenbrut» von Simon Beckett, als «Thriller» kategorisiert, ist die Lesezeit nicht wirklich wert. «Die letzte Botschaft» von Peter Temple und «Frankie Maschine» von Don Winslow hingegen sind gut geschrieben (beide), gefüllt mit saftigen Dialogen (Temple) und der fesselnden Lebensgeschichte eines Auftragmörders (Winslow).

«Flammenbrut». Einige Gründe, das Buch nicht zu lesen: Erstens ein schlecht erfundener deutscher Titel. Im Original heisst das Buch «Where There’s Smoke». Der deutsche Titel stellt dafür einen anderen Sachverhalt (das Kind, so zumindest habe ich das gedeutet) in den Mittelpunkt der Leseraufmerksamkeit, was dem Inhalt nicht gerecht wird. Kate, um die Dreissig, seit ein paar Jahren erfolgreich selbstständig mit einer Werbeagentur, will ein Kind. Da sie mit Männern schlechte Erfahrungen gemacht hat, will sie aber keinen Vater dazu. Zweitens: Auf dem Umschlag des Buches wird dazu zu viel verraten: «Ein anonymer Spender kommt für Kate nicht in Frage. Also gibt sie eine Annonce auf, um einen geeigneten Vater zu finden. Alex Turner scheint der perfekte Kandidat …» Danke, lieber Verlag, dass die ganze Spannung schon zu Beginn flöten ging durch diesen Umschlagstext. Man weiss beim Lesen nämlich von Anfang an, dass es noch ein böses Ende mit diesem Alex Turner geben wird. Drittens: Bis zum bösen Ende muss man sich durch ellenlange langweilige Dialoge zwischen Kate und ihrer besten Freundin durchkämpfen. Auch die zu häufige Verwendung von Feuermotiven (Kaminfeuer, aufflammende Feuerzeuge usw.) geht, viertens, irgendwann auf die Nerven. Fazit: Die Tonalität des Thrillers ist durchschnittlich, die Geschichte ist es auch, das Lesevergnügen ist sehr mittelmäßig. Trotzdem habe ich das Buch zu Ende gelesen, was ich nicht getan hätte, wenn ich nicht (aus einem mir selbst nicht bekannten Grund) hätte wissen wollen, wie das Ganze denn nun endet.

«Frankie Maschine» von Don Winslow hat mich vor allem deswegen interessiert, weil ich darauf gespannt war, was Suhrkamp in der neuen Krimireihe zu bieten hat. Mit diesem Krimi, 365 Seiten dick, legt der Verlag ein ordentliches Stück Lesevergnügen vor. Zeitweilig muss man über Längen in der Erzählung hinwegkommen, wird aber dadurch versöhnt, dass es, je näher man dem Ende kommt, immer spannender wird. Und ganz am Ende, wenn man – ein wenig mit Bedauern – denkt, dass das eins der seltenen Bücher ohne Happy End ist, hat die Story eine überraschende Wendung parat.

Nicht, dass für mich eine Geschichte ein glückliches Ende haben muss! Aber Frankie Maschine, ehemaliger Auftragskiller, ist einem bis dahin ans Herz gewachsen. Nicht, weil er Menschen umbringt, sondern weil er ein Leben führt, das «eine Menge Arbeit macht» im Sinne von Qualitätssicherung in allen Bereichen: Er bemüht sich um die Menschen, die er mag, er ist um gutes Essen und Trinken besorgt und führt ein durchdachtes Leben, zu dem auch gehört, dass er eine Wohnung hat, von der keiner weiß, weder seine Ex-Frau, seine Freundin noch seine Tochter, und in der er für den Notfall Geld und Waffen versteckt hat. Die er eines nachts braucht, als plötzlich zwei Jungspunde an seine Tür klopfen, die den Auftrag haben, ihn in eine Falle zu locken. Aus dieser Falle entkommt Frankie, doch während er untergetaucht versucht, herauszufinden, wer mit ihm noch eine Rechnung offen hat, ist er ständig auf der Flucht vor seinen Verfolgern, die nach seinem Leben trachten. Die langen Rückblicke in Frankies Vergangenheit lassen im Lauf der Geschichte ihre Berechtigung erkennen, ist doch der Grund dafür, dass er sterben soll, in seiner aktiven Zeit als Killer zu suchen. Schließlich findet Frankie heraus, dass nicht nur das FBI, sondern auch allerhöchste Politikkreise etwas mit der Jagd auf ihn zu tun haben. Fazit: Eine gut geschriebene Mafiageschichte mit spannendem Plot und überraschendem Ende.

Nun zu Peter Temple. Wieder liegt mit «Die letzte Botschaft» ein spannender Jack-Irish-Roman vor, der es schafft, sich vom Klischee des Privatdetektivs fernzuhalten (der Jack Irish im Übrigen nicht ist, er ist Anwalt, Hobbyschreiner mit einem Faible für Pferdewetten und ein Genussmensch), obwohl er dieses Klischee in manchen Punkten nicht bewusst umgeht (einsamer Ermittler, der öfter mal in Schwierigkeiten gerät und ab und an um sein Leben rennen oder kämpfen muss). Jack Irish soll für einen Richter kompromittierendes Material finden und tappt ziemlich lange im Dunkeln, was jedoch nicht langweilig ist, da der Weg zur Lösung des Falles gepflastert ist (verzeiht mir die Stilblüte) mit amüsanten und gut geschriebenen Dialogen und unterhaltsamen Episoden (nicht zuletzt mit den beiden «Nebengeschichten» des Romans, Irishs Schreinertätigkeit und einem brutalen Überfall auf eine Kommissionärin, die den Gewinn aus den Pferdewetten bei sich hatte, der zum Teil auch Jack Irish gehörte). Es stellt sich heraus, dass Jack Irish Ermittlungen über jemanden angestellt hat, der nicht der ist, der er zu sein vorgab. Um ihn von seinen Ermittlungen abzuhalten, setzt jemand einen Auftragskiller auf ihn an. Mehr sei hier nicht verraten. Wer die Bücher von Carl Hiaasen mag oder auch von Don Winslow, der wird auch dieses Buch mögen.

Simon Beckett, Flammenbrut, Rowohlt 2009 (Original: Where There’s Smoke, 1997); Don Winslow, Frankie Machine, Suhrkamp 2009 (Original: The Winter of Frankie Machine, 2006); Peter Temple, Die letzte Botschaft, Goldmann 2009 (Original: Dead Point, 2000).

Kommentare

2 Anmerkungen to “Noch mehr Krimis”

  1. JS schreibt am Sonntag, 29. November 2009

    Frankie Machines täglicher Zwiebelbagel, mit gesalzenem und gepfeffertem, doppelt gebratenem Spiegelei, hat es auch in meinen Alltag geschafft: Allerdings mangels Zwiebelbagel eben mit Weissbrot-Toast und ordentlichen Scheiben italienischer Salami … Der Genuss dieses herrlichen Zwischendurch-Sandwiches, spiegelt recht gut den Lesespass: Bevor man auf die Idee kommt es langsam satt zu haben, ist es aufgegessen.

  2. Stein schreibt am Montag, 30. November 2009

    Ich hatte es auch nicht satt, während ich es las! Aber dann reicht es auch. Don Winslow hat noch mehr geschrieben … mal sehen, vielleicht nehme ich mir nach einer kleinen Pause das nächste Buch vor.

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