Freitag, 22. September 2017

Jacques Chessex, Der Kinderfresser

Der Kampf der Söhne gegen die Väter
1973 erschien dieses Buch auf Französisch, 1975 auf Deutsch und 2004 wurde es erneut auf Deutsch beim Lenos Verlag verlegt. Als erster und bisher einziger Schweizer wurde der Autor dafür mit dem Prix Goncourt ausge-zeichnet. Der ursprüngliche Titel, «L’Ogre», wird in der Lenos-Ausgabe mit «Der Kinderfresser» wiedergegeben, nicht mit «Der Menschenfresser». Hauptprotagonist ist Jean Calmet, 39 Jahre alt, Lateinlehrer am Gymnasium in Lausanne, besessen von seinem Vater, dem «Doktor», dem Oger, der mächtigen Figur, die als drohender Schatten über seinem Leben hängt. » Weiter im Text

Péter Esterházy, Keine Kunst

Meister des Einschubs
Es geht um Fußball, so viel ist klar. Der auf dem Sterbebett liegenden Mutter wird ein letztes Mal die Abseitsregel erklärt, der Ich-Erzähler ist kein Fußballspieler geworden, es wird Fußball gespielt in diesem Buch, so hängt etwa der Parteisekretär Sasa Kertész die Fußballschuhe an den Nagel, und auf dem Cover zeigt eine Dame mit nackten langen Beinen einen Fallrückzieher, auch wenn sie den Fußballschuh nicht trägt, sondern dieser neben den Titelbuchstaben platziert ist. Klingt das irgendwie verworren? » Weiter im Text

Das monopolisierte Gewissen

Ein Plädoyer für den in seinen Entscheidungen freien Menschen 
In der heutigen NZZ kritisiert Hanspeter Mettler unter dem Decknamen «met.» die Abschaffung der Gewissensprüfung für Zivildienstleistende in der Schweiz. Seit April 2009 muss man die Entscheidung für den Zivildienst nicht mehr mit dem Gewissen begründen, sondern heute «genügt es eben, wenn der Gesuchsteller am PC ein Formular herunterlädt, es ausfüllt und unterzeichnet einsendet». » Weiter im Text

J. Adler-Olson, D. Winslow, H. Nesser, M. Wieninger

nesserwieningerWinslowadler-olsen-ErbarmenDrei Empfehlungen
Man kann gar nicht anders, als Jussi Adler-Olsens Krimi «Erbarmen» in einem Rutsch durchzulesen. Ähnlich ergeht es einem mit Don Winslows Surfer-Krimi «Pacific Private», dem zweiten Roman, der in deutscher Übersetzung bei Suhrkamp erschien (über «Frankie Machine» ist schon berichtet worden). Manfred Wieninger legt mit «Rostige Flügel» einen weiteren Marek-Miert-Krimi vor, der sozialkritischer Lesegenuss ist, sobald man sich an den Dauerbeschuss mit markigen Sprüchen gewöhnt hat. Einzig Håkan Nessers Krimi «Die Frau mit dem Muttermal», auf dem Cover mit «ausgezeichnet mit dem Schwedischen Krimipreis» beworben, sticht durch seine Durchschnittlichkeit aus dieser Reihe heraus. » Weiter im Text