Montag, 23. Oktober 2017

Daniel Depp, Stadt der Verlierer

Krimi trifft Hollywood
Über Namen und Titel kann man schon schmunzeln, aber Daniel Depp, 55, Halbbruder von Johnny Depp und Drehbuchautor, muss sich kein Pseudonym zulegen. Allerdings hat sein Erstling keinerlei Rückenwind nötig. Sein Roman über Macht und Intrigen in Hollywoods Filmindustrie nimmt einen von der ersten Seite an gefangen, seine Hauptfigur David Spandau, Ex-Hollywood-stuntman und Angestellter bei einem Detektivbüro, hat das Zeug zu einer weiteren charismatischen Figur in der Reihe berühmter Hard-Boiled-Ermittler.

Schön zu hören, dass der Autor an einem zweiten David-Spandau-Roman arbeitet, der hoffentlich im Erzählduktus des Erstlings gehalten sein wird. Denn endlich lesen wir wieder von der Vergangenheit einer Hauptfigur, endlich wird uns wieder eine Geschichte erzählt. Von holzschnittartigen Typen mit leerem Kühlschrank, ungewaschenen Klamotten und null Sozialkompetenz ist David Spandau meilenweit entfernt, und seinen Fall versucht er unaufgeregt zu «lösen» – auch wenn er am Ende, obwohl er nicht scheitert, einsehen muss, dass Entscheidungen in der Filmindustrie von anderen getroffen werden.

Der aufstrebende Filmstar Bobby Dye will den besten Ermittler, den das Detektivbüro Coren Investigations hat. Aus diesem Grund wird Spandau ein paar Tage früher aus seinem Rodeo-Urlaub zurückbeordert. Die aus Buchstaben einer Illustrierten zusammengeklebte Morddrohung, die der Schauspieler erhalten haben will, entpuppt sich jedoch nur als Einleitung zu einem weit komplexeren Fall, in dem der windige Nachtclubbesitzer und Drogendealer Richie Stella und der Mafiaboss Salvatore Locatelli eine Rolle spielen. Bei dieser Starbesetzung wundert es nicht, dass Spandau nach und nach die Fäden aus der Hand gleiten, obwohl er sich alle Mühe gibt, seinen Auftrag zu erfüllen.

Daniel Depp, der für sein Drehbuch für «The Brave» für die Goldene Palme in Cannes nominiert wurde, versteht sein Handwerk: filmreife Dialoge wechseln sich ab mit ausgeleuchteten Rückblenden, Action und Unaufgeregtheit halten sich die Waage, Humor und Spannung sind zu einem mitreissenden Zwitterwesen verwoben, neben der persönlichen Lebensgeschichte von Spandau wird die Filmmaschine Hollywood mit ihren Schattenseiten beschrieben.

Das Buch hätte ein genaueres Korrektorat verdient – für einen Krimi dieses Kalibers hätte man sich weniger Rechtschreibfehler gewünscht. So soll Depp beispielsweise das Drehbuch zu «The Brace» geschrieben haben statt zu «The Brave». Das ist allerdings auch der einzige Kritikpunkt für diese hundertprozentige Buchempfehlung. Ich habe es in einem Rutsch durchgelesen und freue mich schon auf eine Fortsetzung. Wer die Bücher von Peter Temple, Don Winslow oder Richard Stark mag, wird auch dieses mögen.

Daniel Depp, Stadt der Verlierer, C. Bertelsmann 2009 (Original: Loser’s Town, London 2009)

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