Freitag, 22. September 2017

Thomas Melle, Die Welt im Rücken

Muss denn alles Literatur sein? 

In der Bibliothek war das Buch unter medizinischer Fachliteratur eingeordnet, mit dem Kürzel Med-mandep, manisch-depressiv. Zugleich gelangte es auf die Shortlist des Buchpreises 2016, und galt lange als Favorit, «Roman des Jahres» zu werden. Wieder einmal Zeit also, um sich zu fragen, was ein Roman bzw. was Literatur ist. Denn auch wenn das Buch ohne die Gattungsbezeichnung Roman auskommt, tritt Melle nicht etwa bei medizinischen Fachkongressen, sondern in Literaturhäusern und Bibliotheken auf; auch in den Rezensionen wird das Wort «Roman» zumeist vermieden, doch erscheinen sie natürlich im Feuilleton – und nicht bei «Wissen und Forschung» – und laborieren mit Behelfsbezeichnungen wie »kein Roman, sondern der Hammer», «kein Roman, aber blitzhelle Stroboskop-Prosa», «kräftezehrende Lektüre», «eindringliches Dokument», «existentielles Buch» etc. » Weiter im Text