Montag, 11. Dezember 2017

Nino Haratischwili, Das achte Leben (für Brilka)

Gedächtnis und Erkenntnis   

Unbewusst ist die Vorstellung wohl die eines altertümlichen Fotoapparates: Aufbau, Kopf des Fotografen unter der Decke, Blitz, zufrieden-munteres Klopfen auf den Apparat, «im Kasten». Abgesehen davon, dass sich die technischen und ästhetischen Voraussetzungen der Fotografie so grundlegend gewandelt haben, hegt man nicht grundsätzlich den Wunsch, mit Büchern ebenso verfahren zu können – gelesen, im Kasten? Nino Haratischwilis riesiges Epos jedenfalls wirft diese Frage einmal mehr auf, was also mit den gelesenen Welten geschieht, sobald sie durch unseren Kopf gezogen sind. » Weiter im Text

Mathias Énard, Der Alkohol und die Wehmut

Lieben, Trinken und Zugfahren

Eine Menage à trois zwischen Paris und Moskau: der Erzähler, Mathias, seine Freudin Jeanne, und Wladimir, den sie bei einem Auslandssemester in Russland kennenlernt. Die drei trinken zusammen, sie erleben diese vom Neonlicht billiger Restaurants beleuchteten Glücksmomente von Jugendlichkeit und Nicht-Wissen-Wohin, Sex, Freundschaft und Literatur sind die Eckpfeiler ihres Zusammenseins. Wenn man den pathetischen Monolog Jeannes am Ende liest, in dem sie den Erzähler in einem Krankenhaus in Nowosibirsk wieder zum Leben erwecken will, bestätigt sich der Verdacht, dass hier, in der Entscheidung zwischen Mathias und Wladimir, rasch noch dramatisches Potential freigesetzt werden soll, um das es im Grunde gar nicht geht. » Weiter im Text