Montag, 23. Oktober 2017

Donna Tartt, Der Distelfink 2

Der Distelfink von Donna TarttWiederholungen von Ereignislosigkeit

Alles beginnt mit einem Museumsbesuch. Eine Mutter will ihrem 13-jährigen Sohn ein Gemälde zeigen, das ihr sehr gefällt – den „Distelfink“ des Malers Carel Fabritius. Im Museum explodiert jedoch just an diesem Tag eine Bombe. Mutter und Sohn sind im Chaos nach der Explosion getrennt. Ein älterer Herr, der schwer verletzt im Sterben liegt, bringt den Jungen dazu, das Bild mit dem Distelfink zu entwenden, und gibt ihm seinen Ring. Stunden später erfährt der Junge, dass seine Mutter bei der Explosion ums Leben kam. Der Junge heisst Theo Decker, und er erzählt auf 1000 Seiten seine Lebensgeschichte. » Weiter im Text

Martin Jankowski, Rabet oder Das Verschwinden einer Himmelsrichtung

Dieses Buch ist etwas ganz Besonderes. Der Autor Martin Jankowski, Jahrgang 1965, gehörte zu den Hauptbeteiligten der „friedlichen Revolution“ 1989 in Leipzig. Und dennoch ist es kein Tatsachenbericht, der hier vorliegt: „Rabet“ beharrt mit Nachdruck auf seiner Literarizität. » Weiter im Text

Thomas Mann, Der Zauberberg

Erregtes Gähnen
«Der Erwählte» und «Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull» habe ich gern gelesen. Und dabei auch mal gelacht! Aber Thomas Mann kann auch anders. Das beweist er auf den 350 Seiten, die ich vom «Zauberberg» bisher gelesen habe. » Weiter im Text

Daniel Depp, Stadt der Verlierer

Krimi trifft Hollywood
Über Namen und Titel kann man schon schmunzeln, aber Daniel Depp, 55, Halbbruder von Johnny Depp und Drehbuchautor, muss sich kein Pseudonym zulegen. Allerdings hat sein Erstling keinerlei Rückenwind nötig. Sein Roman über Macht und Intrigen in Hollywoods Filmindustrie nimmt einen von der ersten Seite an gefangen, seine Hauptfigur David Spandau, Ex-Hollywood-stuntman und Angestellter bei einem Detektivbüro, hat das Zeug zu einer weiteren charismatischen Figur in der Reihe berühmter Hard-Boiled-Ermittler. » Weiter im Text

Jacques Chessex, Der Kinderfresser

Der Kampf der Söhne gegen die Väter
1973 erschien dieses Buch auf Französisch, 1975 auf Deutsch und 2004 wurde es erneut auf Deutsch beim Lenos Verlag verlegt. Als erster und bisher einziger Schweizer wurde der Autor dafür mit dem Prix Goncourt ausge-zeichnet. Der ursprüngliche Titel, «L’Ogre», wird in der Lenos-Ausgabe mit «Der Kinderfresser» wiedergegeben, nicht mit «Der Menschenfresser». Hauptprotagonist ist Jean Calmet, 39 Jahre alt, Lateinlehrer am Gymnasium in Lausanne, besessen von seinem Vater, dem «Doktor», dem Oger, der mächtigen Figur, die als drohender Schatten über seinem Leben hängt. » Weiter im Text

Péter Esterházy, Keine Kunst

Meister des Einschubs
Es geht um Fußball, so viel ist klar. Der auf dem Sterbebett liegenden Mutter wird ein letztes Mal die Abseitsregel erklärt, der Ich-Erzähler ist kein Fußballspieler geworden, es wird Fußball gespielt in diesem Buch, so hängt etwa der Parteisekretär Sasa Kertész die Fußballschuhe an den Nagel, und auf dem Cover zeigt eine Dame mit nackten langen Beinen einen Fallrückzieher, auch wenn sie den Fußballschuh nicht trägt, sondern dieser neben den Titelbuchstaben platziert ist. Klingt das irgendwie verworren? » Weiter im Text

Das monopolisierte Gewissen

Ein Plädoyer für den in seinen Entscheidungen freien Menschen 
In der heutigen NZZ kritisiert Hanspeter Mettler unter dem Decknamen «met.» die Abschaffung der Gewissensprüfung für Zivildienstleistende in der Schweiz. Seit April 2009 muss man die Entscheidung für den Zivildienst nicht mehr mit dem Gewissen begründen, sondern heute «genügt es eben, wenn der Gesuchsteller am PC ein Formular herunterlädt, es ausfüllt und unterzeichnet einsendet». » Weiter im Text

J. Adler-Olson, D. Winslow, H. Nesser, M. Wieninger

nesserwieningerWinslowadler-olsen-ErbarmenDrei Empfehlungen
Man kann gar nicht anders, als Jussi Adler-Olsens Krimi «Erbarmen» in einem Rutsch durchzulesen. Ähnlich ergeht es einem mit Don Winslows Surfer-Krimi «Pacific Private», dem zweiten Roman, der in deutscher Übersetzung bei Suhrkamp erschien (über «Frankie Machine» ist schon berichtet worden). Manfred Wieninger legt mit «Rostige Flügel» einen weiteren Marek-Miert-Krimi vor, der sozialkritischer Lesegenuss ist, sobald man sich an den Dauerbeschuss mit markigen Sprüchen gewöhnt hat. Einzig Håkan Nessers Krimi «Die Frau mit dem Muttermal», auf dem Cover mit «ausgezeichnet mit dem Schwedischen Krimipreis» beworben, sticht durch seine Durchschnittlichkeit aus dieser Reihe heraus. » Weiter im Text

Nächste Seite »