Noch mehr Krimis


Zwei Empfehlungen und eine Warnung
Heute sollen zwei Krimis gewürdigt und vom Lesen eines dritten abgeraten werden. «Flammenbrut» von Simon Beckett, als «Thriller» kategorisiert, ist die Lesezeit nicht wirklich wert. «Die letzte Botschaft» von Peter Temple und «Frankie Maschine» von Don Winslow hingegen sind gut geschrieben (beide), gefüllt mit saftigen Dialogen (Temple) und der fesselnden Lebensgeschichte eines Auftragmörders (Winslow). » Weiter im Text
Ryszard Kapuscinski, Die Erde ist ein gewalttätiges Paradies [2]
Von einem, der auszog und das Sehen lernte
Der polnische Journalist Ryszard Kapuscinski, 1932 geboren, 2007 gestorben, zählt zu Recht zu den großen Reportern seiner Zeit. In dem hier vorgestellten Band sind Reportagen, Essays und Reflexionen aus 40 Jahren Schreibtätigkeit versammelt. Er eignet sich daher (vermutlich) sehr für einen Einstieg in Kapuscinskis Werk, das aus rund 20 Büchern und unzähligen Reportagen besteht. » Weiter im Text
Krimis, Krimis, den ganzen Tag Krimis
Der September war ein Krimimonat. Ich ver-schlang einen nach dem anderen und war nicht fähig, zwischendrin meine Leseeindrücke festzu-halten. So ist das eben mit spannenden Büchern: Man will mehr davon, immer mehr, und verliert darüber das Gefühl für literarische Qualität. Besser gesagt, sie wird einem egal. Denn es kommt nur auf eines an: Spannung. » Weiter im Text
Dietmar Dath, Die Abschaffung der Arten
Von der Nachttischkante gestoßen
Es gibt diese Bücher, die man eigentlich lesen möchte. Weil sie interessant anfangen, weil sie verheißungsvoll und verlockend sind. Weil sie irritieren und faszinieren. Und es gibt sie, die Momente, in denen man ein solches Buch auf Seite 117 zuklappt und es weglegt. Weil man den Stapel anderer Bücher neben dem Bett wachsen sieht. Weil man einfach nicht weiterkommt mit diesem Buch, obwohl es eigentlich lesenswert ist: kein Kitsch, keine langweilige Geschichte, keine schlecht gezeichneten Figuren. » Weiter im Text
Luo Lingyuan, Du fliegst jetzt für meinen Sohn aus dem fünften Stock!
Die Freiheit des Einzelnen gibt es nicht
Luo Lingyuan, 1963 in der Volksrepublik China geboren, lebt seit 1990 in Berlin. In ihrem 2005 erschienenen Erzählband beschreibt sie aus verschiedenen Perspektiven die Eingriffe des chinesischen Staates in die Privatsphäre und Lebensplanung der Menschen. Es wird aus der Sicht der Opfer geschrieben, die für eine verbotene «Nachtparty» im Studentenwohnheim von der Universität fliegen oder für die Missachtung der Ein-Kind-Politik gezwungen werden, noch kurz vor der Geburt abzutreiben. » Weiter im Text
Roberto Bolaño, Der unerträgliche Gaucho
Liebe Silberberg,
was soll man nur von diesem Buch halten? Im Laden war ich so angetan von dem hübschen Umschlag, auf dem ein schreiender Cowboy auf einem Pferd zusammen mit einem Vogelschwarm durch den Himmel reitet. Und als ich anfing, die Geschichten zu lesen, war ich weiter angetan, oder müsste ich besser sagen: angenehm irritiert? Denn Bolaño, das erkannte ich ziemlich bald, führt einen ganz schön an der Nase herum. » Weiter im Text
Anthony McCarten, Hand aufs Herz
Wer am längsten die Hand ans Auto hält, gewinnt es. Es gelten strenge Regeln (alle zwei Stunden fünf Minuten Pause, man darf sich nicht ans Auto lehnen, nicht sitzen und nicht schlafen) und es winkt ein Eintrag ins Guinnesbuch der Rekorde. Eine makabre Ausgangssituation. » Weiter im Text
Esma A. Dil/Ariane Sommer, Foreign Affairs
Die Verführungen der Schlange
Dieses Buch zu lesen macht Spaß. Es liegt mit seiner imitierten Schlangenhaut verführerisch in der Hand und passt in jede noch so tussige Designerhandtasche, ohne aus dem Rahmen zu fallen. Äußerlich ruft das Buch Klischees ab. Inhaltlich konfrontiert es mit Klischees: es handelt von selbstbewussten, gut ausgebildeten, gut aussehenden, unabhängigen modernen Frauen, aus deren Perspektive erzählt wird und die von zwei Frauen erschaffen wurden. Die Biografien der beiden Autorinnen lesen sich ähnlich wie die Biografien ihrer Heldinnen. » Weiter im Text




