Freitag, 24. November 2017

Editorial

Was lese ich? Diese Frage ist wesentlich im Leben eines Lesers. Streifzüge durch die Erinnerung stimmen nachdenklich: Habe ich all das tatsächlich gelesen? Warum kann ich mich an nichts erinnern? Oder aber: Habe ich etwa nur das gelesen? Warum lese ich so wenig? Mit diesen Fragen muss jeder alleine fertig werden. Auch der Handlungsspielraum der in der Folge vielleicht intensivierten Bücherbeschaffung ist gross: Jeder kommt auf seine Weise zum Buch und dann zum nächsten. Vielleicht auch durch diese Seite, auf der wir die Bücher vorstellen, die wir gelesen haben. Die Frage, welche Bücher wir lesen und wie wir uns mit ihnen auseinandersetzen, beschäftigt uns immer wieder. Dabei haben wir mit unserer Tendenz Bekanntschaft gemacht, hemmungslos daherzureden, wenn wir unsere Lektüreeindrücke kundtun wollen – nur um alles anschließend gründlich wieder zu vergessen.

Dieser Blog soll ein Bleistift neben dem aufgeschlagenen Buch sein. Das ist noch kein Programm, aber eine Haltung: Wir möchten den Büchern, die wir lesen, ein Forum geben. Wir möchten angemessen mit Inhalten umgehen. Wir möchten uns an unsere Lektüre erinnern. Wir möchten ausprobieren, wie man über das Lesen schreiben kann. Und wir möchten gerne verschiedene Meinungen zu einem Buch lesen. Beim Reden über Literatur verliert man häufig den Zusammenhang, achtet auf Konsens und Dissens und die Lektüre schnurrt auf ein Bauchgefühl zusammen. Dagegen gibt es nichts einzuwenden, nur verstehen wir diesen Blog in seinem Medium: Wir reden nicht, wir schreiben. Was wir uns wünschen, ist ein reger Austausch in zusammenhängenden Sätzen über gemeinsam oder allein Gelesenes. Ausrufezeichen dürfen vorkommen. Bücher dürfen gut oder schlecht sein, aber nicht irgendwie, und die Wortkombination „finde ich“ ist ein Fall für die Goldwaage. Wir wünschen uns, nicht nur unseren über die Welt verteilten alten Freunden und neuen Paladinen unser Lesen mitzuteilen, sondern auch von eurem Lesen zu erfahren.
Stein&Silberberg