Péter Esterházy, Keine Kunst
Meister des Einschubs
Es geht um Fußball, so viel ist klar. Der auf dem Sterbebett liegenden Mutter wird ein letztes Mal die Abseitsregel erklärt, der Ich-Erzähler ist kein Fußballspieler geworden, es wird Fußball gespielt in diesem Buch, so hängt etwa der Parteisekretär Sasa Kertész die Fußballschuhe an den Nagel, und auf dem Cover zeigt eine Dame mit nackten langen Beinen einen Fallrückzieher, auch wenn sie den Fußballschuh nicht trägt, sondern dieser neben den Titelbuchstaben platziert ist. Klingt das irgendwie verworren? » Weiter im Text
Das monopolisierte Gewissen
Ein Plädoyer für den in seinen Entscheidungen freien Menschen
In der heutigen NZZ kritisiert Hanspeter Mettler unter dem Decknamen «met.» die Abschaffung der Gewissensprüfung für Zivildienstleistende in der Schweiz. Seit April 2009 muss man die Entscheidung für den Zivildienst nicht mehr mit dem Gewissen begründen, sondern heute «genügt es eben, wenn der Gesuchsteller am PC ein Formular herunterlädt, es ausfüllt und unterzeichnet einsendet». » Weiter im Text
J. Adler-Olson, D. Winslow, H. Nesser, M. Wieninger



Drei Empfehlungen
Man kann gar nicht anders, als Jussi Adler-Olsens Krimi «Erbarmen» in einem Rutsch durchzulesen. Ähnlich ergeht es einem mit Don Winslows Surfer-Krimi «Pacific Private», dem zweiten Roman, der in deutscher Übersetzung bei Suhrkamp erschien (über «Frankie Machine» ist schon berichtet worden). Manfred Wieninger legt mit «Rostige Flügel» einen weiteren Marek-Miert-Krimi vor, der sozialkritischer Lesegenuss ist, sobald man sich an den Dauerbeschuss mit markigen Sprüchen gewöhnt hat. Einzig Håkan Nessers Krimi «Die Frau mit dem Muttermal», auf dem Cover mit «ausgezeichnet mit dem Schwedischen Krimipreis» beworben, sticht durch seine Durchschnittlichkeit aus dieser Reihe heraus. » Weiter im Text
Claudia Piñeiro, Elena weiß Bescheid
Die Körper der Frauen
Elena sitzt am Küchentisch und wartet. Endlich wirkt die Tablette und sie kann aufstehen. Sie hebt den rechten Fuß ein paar Zentimeter hoch, bewegt ihn am linken vorbei und setzt ihn wieder ab. Dasselbe wiederholt sie mit dem linken Fuß. Sie hat eine lange Reise vor sich, sie muss zum Bahnhof laufen, den Zug nehmen und das Haus finden, in dem Isabel wohnt. Vor zwanzig Jahren hat sie sie zum letzten Mal gesehen; heute soll sie ihr helfen, herauszufinden, wer ihre Tochter ermordet hat. Denn Elena ist überzeugt, dass Rita sich nicht selbst umbrachte. » Weiter im Text
Marilynne Robinson, Housekeeping
Die Erste und die Zweite Poetische Moral
Wie kommt es, dass ein Buch wie „Housekeeping“ zu den „100 Greatest Novels of all times“ gewählt werden konnte? Bei aller Skepsis, die bei solch kanonischen Hitparaden angebracht ist, hat es damit fraglos eine große euphorische Leserschaft passiert. Und das, obwohl fast nichts geschieht » Weiter im Text
Auf dem Sofa: November 2009
GERTRUDE STEIN: MEXIKO UND ANDERE STÜCKE (Luchterhand) – las ich im Frühjahr in meinem Romanklausurquartier und erwarb das Büchlein nun selbst am Sonntagnachmittag, 1. November, auf dem Flohmarkt – warum? Weil es Autoren gibt, deren Werke man möglichst vollständig haben will, auch wenn einem gar nicht alles gefällt. Weil der Umschlag so schön ist – pinkfarben, mit einem graublauen Foto von STEIN, auf dem sie aussieht, als träte sie im Zirkus als Clown auf, nur die rote Nase fehlt. » Weiter im Text
Jan Philipp Reemtsma, Das unaufhebbare Nichtbescheidwissen der Mehrheit
Stichworte zur hohen Kunst des Bescheidwissens
Der Titel könnte kaum arroganter sein. Ist man durch mit dem Amüsement über die Unaussprechlichkeit, mit der Freude über die Möglichkeiten deutscher Komposita, bleibt kondensiert der Ärger über die Arroganz gegenüber jener „Mehrheit“, der ein elitäres Selbstbewusstsein gegenüber gestellt wird. Im Untertitel noch „Sechs Reden über Literatur und Kunst“ und man weiß: der Ärger ist intendiert; man soll anecken am Eliteanspruch und das ungebildete Näschen hineinstoßen in vermeintliche Suaden allgemeinen Bildungsverfalls. » Weiter im Text