Samstag, 19. Mai 2012

Luo Lingyuan, Du fliegst jetzt für meinen Sohn aus dem fünften Stock!

lingyuanDie Freiheit des Einzelnen gibt es nicht
Luo Lingyuan, 1963 in der Volksrepublik China geboren, lebt seit 1990 in Berlin. In ihrem 2005 erschienenen Erzählband beschreibt sie aus verschiedenen Perspektiven die Eingriffe des chinesischen Staates in die Privatsphäre und Lebensplanung der Menschen. Es wird aus der Sicht der Opfer geschrieben, die für eine verbotene «Nachtparty» im Studentenwohnheim von der Universität fliegen oder für die Missachtung der Ein-Kind-Politik gezwungen werden, noch kurz vor der Geburt abzutreiben. » Weiter im Text

Roberto Bolaño, Der unerträgliche Gaucho

Gaucho

Liebe Stein,
gerne würde ich mit dir in eine ausführliche briefliche Debatte über Bolaño eintreten, denn ich glaube hier auf einen jener Autoren gestoßen zu sein, die einen sehr lange begleiten. Der «unerträgliche Gaucho» allerdings ist, da gebe ich dir recht, ein großes Rätsel – und nicht unbedingt eines von den beglückenden, sondern eines von denen, die Kraft und Durchhaltewillen vom Leser fordern » Weiter im Text

Roberto Bolaño, Der unerträgliche Gaucho

GAuchoLiebe Silberberg,
was soll man nur von diesem Buch halten? Im Laden war ich so angetan von dem hübschen Umschlag, auf dem ein schreiender Cowboy auf einem Pferd zusammen mit einem Vogelschwarm durch den Himmel reitet. Und als ich anfing, die Geschichten zu lesen, war ich weiter angetan, oder müsste ich besser sagen: angenehm irritiert? Denn Bolaño, das erkannte ich ziemlich bald, führt einen ganz schön an der Nase herum. » Weiter im Text

Anthony McCarten, Hand aufs Herz

handaufsherzWer am längsten die Hand ans Auto hält, gewinnt es. Es gelten strenge Regeln (alle zwei Stunden fünf Minuten Pause, man darf sich nicht ans Auto lehnen, nicht sitzen und nicht schlafen) und es winkt ein Eintrag ins Guinnesbuch der Rekorde. Eine makabre Ausgangssituation. » Weiter im Text

Esma A. Dil/Ariane Sommer, Foreign Affairs

Foreign AffairsDie Verführungen der Schlange
Dieses Buch zu lesen macht Spaß. Es liegt mit seiner imitierten Schlangenhaut verführerisch in der Hand und passt in jede noch so tussige Designerhandtasche, ohne aus dem Rahmen zu fallen. Äußerlich ruft das Buch Klischees ab. Inhaltlich konfrontiert es mit Klischees: es handelt von selbstbewussten, gut ausgebildeten, gut aussehenden, unabhängigen modernen Frauen, aus deren Perspektive erzählt wird und die von zwei Frauen erschaffen wurden. Die Biografien der beiden Autorinnen lesen sich ähnlich wie die Biografien ihrer Heldinnen. » Weiter im Text

Esther Kinsky, Sommerfrische

cover_kinskyLiebe Silberberg,

ein Stichwort in deinem Brief hat mich heftig nicken lassen. Beim Lesen fiel mir das gar nicht auf, und beim hinterher über das Gelesene Nachdenken auch nicht, aber jetzt, wo du es sagst, weiß ich, was mich am meisten gestört hat: Ich habe kein einziges Mal gelacht beim Lesen dieses Buches. Und auch nicht geschmunzelt. Nicht mal innerlich. Und das ist irgendwie traurig. » Weiter im Text

Esther Kinsky, Sommerfrische

cover_kinsky Liebe Stein,

wenn ich ein Buch verschlinge, wenn ich meinen Zimmerwänden, Kopfkissenbezügen oder Balkonnachbarn in kleinen Juchzern mein Lesebehagen zum Ausdruck bringe, wenn ich tief einatme und denke so! ja, genau so!, wenn ich das Buch nicht aus der Hand legen will oder wenn, dann nur mit einem kleinen Streicheln, dann schließe ich sogleich vom Kleinen aufs Ganze: große Literatur! » Weiter im Text

Massimo Lugli, L’istinto del lupo

Lupo Selbstjustiz  – leicht gemacht
„Gran Torino“ ist ein blöder Film. Er handelt von einem alten weißen Rassisten in einem amerikanischen Vorort, der, allein gelassen von seinen geldgeilen Kindern, seine Tage damit verbringt, den Garten zu mähen und seinen Oldtimer, den Gran Torino, zu putzen und dabei seine chinesische Nachbarsfamilie als „Bambusratten“ zu bezeichnen. Ein unhöflicher, aber nicht allzu gefährlicher Rassist also, und entsprechend schnell lässt er sich vom rührend lieben und entzückend frechen Geschwisterpaar besagter Nachbarsfamilie erweichen » Weiter im Text

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